Die auf dem Wolf reitet

Wo sie auftaucht, gibt es Ärger: Die «Rüschellerin» aus dem luzernischen Reiden. Jagdfieber in Reiden: Metziner Ruedi und Fuchs Heini stellen an einem Nachmittag im Jahre 1486 am Bach den Fischen nach. Doch sie sind nicht alleine. Unversehens steht ein Mann aus Reitnau vor ihnen, der folgende Worte spricht: «Ich habe eine Frau gesehen, die auf einem Wolf einen Berg hinauf geritten ist.» Von der Neugierde gepackt, erkundigen sich Metziner und Fuchs nach der Frau und erhalten weitere Auskunft: «Sie hat grüne Unterärmel mit kleinen Haken dran und ist von Reiden.» Die sonderbare Frau ist die «Rüschellerin», wie sie in der Gegend genannt wird. Auch andere haben Geschichten über dieses Weibsbild zu erzählen. So etwa bezeugt Fuchs Heini später: Die Frau mit den grünen Unterärmeln habe seinen Garten aufgesucht, worauf alle seine Zwiebeln verfault wären. Ebenfalls gibt der Zeuge Reider von Langnau an, nach einem Streit mit dieser Frau hätten seine Kühe Blut anstatt Milch gegeben. Sein Verhältnis zur «Rüschellerin» war offenbar derart angespannt, dass er ihretwegen von Reiden nach Langnau umgezogen war. Des Weiteren soll sie ein schlimmes Hagelgewitter ausgelöst haben sowie für den Tod einer Kuh und eines Pferdes verantwortlich sein. Die Zeugen sind sich einig: Die «Rüschellerin» verzaubert, was immer ihr beliebt sie muss also eine Hexe sein. Prompt wird sie von der Luzerner Obrigkeit eingesperrt und gefoltert. Der Scheiterhaufen droht. Für eine Frau, die als Hexe angeklagt wurde, lautete der Schuldspruch meist «Tod durch Verbrennen». Eine Hinrichtungsart, die auch der «Rüschellerin» drohte. Doch die Frau aus Reiden blieb hart und weigerte sich trotz Folter, die ihr angelasteten Taten zuzugeben. Entsprechend blieb ihr trotz vielseitiger Anschuldigung das Schicksal so vieler anderer «Hexen» erspart: Die «Rüschellerin», deren wirklicher Name längst vergessen gegangen ist, wurde nicht verbrannt, sie wurde zur Strafe aus Luzern verbannt für alle Zeiten.