Die Johanniter

Details zu den Wurzeln des auftretenden Ordens der Johanniter liegen im Dunkeln. Es ist jedoch anzunehmen dass er auf Kaufleute aus Amalfi bei Venedig zurückgeht, die zwischen 1048 und 1071 ein Hospital für kranke und arme Pilger in Jerusalem gründeten. Die zum Spital gehörende Kirche war dem heiligen Johannes geweiht, womit sich der Ursprung des Ordensnamens erklärt.

Die religiöse Genossenschaft (Spitalbruderschaft) wählte als ihren Schutzpatron den Hl. Johannes den Täufer, und ihre Mitglieder nannten sich Johanniter.
Ausser dem dreifachen Gelübde freiwillige Armut, stetige Keuschheit, absoluter Gehorsam gegenüber dem geistlichen Oberen legten sie sich die Pflicht auf, nach Jerusalem pilgernde Christen, ohne Standesunterschied, zu beherbergen, sie zu pflegen, ihnen gegen die Sarazenen beizustehen, überhaupt die christliche Religion zu schützen und womöglich weiter zu verbreiten.

Man nannte sie Johanniter oder auch Hospitäler, später nach der Flucht nach Rhodos und noch später, als sie die Insel Malta bekamen, Rhodeser oder Malteser. Als Kleidung trugen sie einen schwarzen Mantel mit einem weissen Kreuz. Im Ordenswappen ist ein weisses Kreuz auf schwarzem Feld (Reider-Wappen). Das Kreuz war zuerst viereckig, aber schon früh, im Jahre 1118, wurde es achteckig. Die acht Ecken des sogenannten Malteserkreuzes stellen die acht Seligkeiten der Bergpredigt dar.

Der Eifer und die Hingabe der Johanniter in Jerusalem fand bei den Pilgern Nachahmung, sodass in ganz Europa Johanniterklöster entstanden. Der Orden breitete sich aus, um 1240 bestanden ca. 3’500 Niederlassungen (Kirchen und Kommenden). In der Schweiz hatten die Johanniter 19 Ordenshäuser: Bubikon, Küssnacht, Wädenswil, Tobel, Berstein, Rheinfelden, Leuggern, Klingnau, Hohenrain, Reiden, Thunstetten, Münchenbuchsee, Biel, Basel, Freiburg, Magnedens, La Chaux, Salgesch und auf dem Simplon.

Nach dem ersten Kreuzzug (1096-1099, zum Schutz gegen den Islam) wurde der Orden neu konzipiert. Die Angehörigen verbanden ihr bisheriges karitatives Gelübde mit demjenigen des Kampfes mit dem militärischen gegen die Mohammedaner. Bald gelangte der Orden zu Ruhm und Ansehen und genoss in reichem Masse geistliche und weltliche Vorrechte. Da sie nur dem Papst unterstellt waren, entzogen sie sich dem Befehl lokaler Herrscher.
Die Ordenskörperschaft setzte sich zusammen aus Rittern, Geistlichen und dienenden Brüdern. Die Ritter wurden durch Ritterschlag zum Ritter geschlagen und somit geweiht. Ein Grossmeister hatte die oberste Leitung über verschiedene Länder. Vorsteher jedes Landes waren Grosspriore. Eine grössere Zahl von Johanniterhäusern bildete ein Priorat.

In der Mitte des 13. Jahrhunderts kam dann die Bezeichnung Komtur oder Kommentator auf, daher die Bezeichnung Komturei oder Kommende. Der Wandel der sozialen Zustände zu Beginn des 15. Jahrhunderts und das Schwinden der alten Ideale führten zur Verweltlichung des Ritterordens und damit zum finanziellen Ruin. Die Luzerner Regierung setzte weltliche Verwalter, sogenannte Schaffner, ein.

Die Johanniterkommenden im Gebiet der heutigen Schweiz wurden zwischen 1180 und 1454 gegründet. In zeitlicher Reihenfolge waren dies Münchenbuchsee, Hohenrain, Rheinfelden, Basel, Bubikon, Contone, Thunstetten, Crausaz, Tobel, Freiburg, Leuggern, Salgesch, Compesières, Reiden, Hitzkirch, Wädenswil, La Chaux, Biberstein, Küsnacht und Biel.

Die Reformationszeit zu Anfang des 16. Jahrhunderts wirkte sich ebenfalls ungünstig auf den Ordensstand aus. Nach der Zeit von 1550 wurde es relativ ruhig um die Johanniter in der Schweiz. 1806 hob Napoleon den Orden auf, doch wirkt er heute noch als Malteserorden karitativ in Deutschland.