Pfarrkirche St. Cäcilia

GESCHICHTE. Ulrich von Lenzburg zählt in der wichtigen Urkunde von 1036 unter den Gütern, die er seinem Hausstifte Beromünster gegeben hat, auch die Kirche von Richenthal auf. Die seltene Patronin St. Cäcilia ist schon früh bezeugt, stiftet doch 1314 Ulrich von Richenthal, Chorherr zu Beromünster, Zofingen und Zürich, sowie Domherr zu Konstanz, die Feier des Cäcilienfestes und vergabt im selben Jahr 10 Pfd. an den Bau eines Glockenturmes der Kirche. 1346 wurde die Kirche dem Stift Beromünster inkorporiert, dem sie noch heute untersteht. 1589 wird das Stift Beromünster verpflichtet, den Kirchturm zu unterhalten, da er auf, nicht neben dem Chor steht. 1607-1609 wird ein Kirchenbau diskutiert. 1724 wird der Kirchturm erhöht. Dabei wirken mit: Maurermeister Jost BERNHARD LIPS, Zimmermeister CLAUS WYSSHAUPT, Dachdecker HANS ADAM STADLER. Tuffstein wird «von dem alten gemäur » des ehemaligen Klosters Ebersecken geholt. 1803 bis 1807 fand ein Neubau der Kirche durch NIKLAUS PURTSCHERT statt. Der Bau des Chors, der Sache des Stiftes Beromünster war, wurde 1804 von diesem dem JOSEF PURTSCHERT verdingt. Die Deckenfresken und sämtliche Altarbilder wurden von der Gemeinde und vom Stift 1806 XAVER HECHT von Willisau übertragen. Auf dem Hochaltar war im Hauptblatt die Auferstehung Christi, im Oberblatt St. Michael, auf den Nebenaltären unten Geburt beziehungsweise Tod Jesu, oben St. Cäcilia und St. Antonius der Einsiedler darzustellen. Die Altäre wurden JOHANN JOSEF MOSBRUGGER verdingt; der Hochaltarentwurf, der dem Architekten und dem Pfarrer nicht gefiel, da er nicht zur Architektur der Nebenaltäre und des Raums passe, wurde noch 1809 diskutiert. Der alte Hochaltar und ein Nebenaltar wurden in die neue Kirche Menzberg versprochen; sie verbrannten mit dieser 1823. — 1840 wurde ein neues Geläute angeschafft. 1951 fand eine Gesamtrenovation unter Lei­tung von Architekt Gustav Walder und durch die Firma K. Haaga statt.

BESCHREIBUNG. Lage und Äusseres. Die geostete Kirche steht am Eingang des Dorfes in erhöhter, der Abhanglinie folgender Lage. Es handelt sich um eine typische Kirche des SINGER-PURTSCHERT-Schemas I. An das fünfjochige Schiff mit je vier Rundbogenfenstern fügt sich der dreiseitig schließende Chor mit nördlich angebautem Turm und südlich angefügter Sakristei, welche der letzte Rest des Chorturms der alten Kirche ist. Die Eingangsfassade ist eine bescheidenere Reduk­tion derjenigen von Reiden. Sie ist durch eine Kolossalordnung von flachen Lisenen dreigeteilt, mit drei gleichwertigen, offenen Portalen der inkorporierten Vorhalle und darüber liegenden leeren Statuennischen. Der Giebel hält zwischen einem ge­wöhnlichen Satteldachgiebel und einem Schaufrontispiz die Mitte. Die Basis bildet ein Klebedach. Vom Schema des ausgeprägten, geschweiften Frontispizes ist nur der Mittelteil mit Lisenen, Rundbogenfenster und geschlossenem Dreieckgiebel übernommen. Ihm zur Seite tritt der schlichte Dachrand zutage. Die Längsfassaden sind durch breite Lisenen gegliedert, die sich oben an der Dachkehle totlaufen. Die gliedernden Teile sind seit der Renovation von 1951, entsprechend dem Prinzip der frühern und mittlern Kirchen dieses Schemas, dunkler getönt als die Mauerflächen. Der Turm ist mit Ecklisenen eingefasst, in der Höhe des Kirchendachs und unter der Glockenstube durch schmale Gurten gegliedert. Die Glockenstube besitzt auf drei Schauseiten gekuppelte Rundbogenfenster mit Kämpfern, bergwärts ein ein­zelnes Fenster. Der achteckige Spitzhelm ist von vier kielbogig geschweiften Giebeln mit Zifferblättern umstellt. Den Knauf krönt ein Doppelkreuz mit Sonne und Mond.

Adolf Reinle.


Pfarrkirche von 1803 - 1807, Grundriss und Längsshnitt.