Die Eisenbahn in Reiden

Gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts bewegte das neuartige Verkehrsmittel der Eisenbahn die Gemüter. Die Initiative lag bei privaten, von ausländischem Kapital gespiesenen Gesellschaften, doch blieb den staatlichen Behörden durch die Bewilligungsverfahren immerhin ein gewisser Einfluss. Die Luzerner Kantonsregierung räumte der Verbindung mit Basel die höchste Priorität ein. Dabei bevorzugte sie zuerst die Linienführung über Wolhusen und Willisau, während das Basler Komitee für eine Zentralbahn für die kürzeste Linienführung über Zofingen und Sursee eintrat. Im November 1852 erteilte die Luzerner Regierung die Konzession für die Linie über Wolhusen, und im Juli 1853 genehmigte sie die Pläne zum Eisenbahnbau von der Kantonsgrenze bis Dagmersellen. Erst im Oktober 1853 schwenkten Kantonsregierung und Parlament, gegen Widerstand aus dem Hinterland und dem Entlebuch, auf die Surseer Linie ein. Die Bauzeit verringerte sich dadurch um ein Jahr, so dass am 9. Juni 1856 die Strecke Aarburg – Emmenbrücke feierlich eröffnet werden konnte.


Bahnhof mit Gasthaus zur Eisenbahn ca. 1880

Die langfristige Bedeutung des Eisenbahnanschlusses wurde erkannt: Zusammen mit den Gemeinderäten von Reiden, Richenthal, Pfaffnau und Wikon setzte sich 1855 auch der Langnauer Gemeinderat dafür ein, dass in Reiden nicht nur eine Haltestelle, sondern auch ein Lagerhaus errichtet werde. Die Langnauer drangen auch sehr darauf, dass die Station im Reider Quartier Unterwasser und nicht bei der Walke erstellt wurde. Beim Rückkauf der Eisenbahnen durch den Bund wurde 1898 auch die Zentralbahn verstaatlicht und ins Netz der 1902 geschaffenen SBB integriert. Der Ausbau der Linie auf zwei Spuren erfolgte erst um 1910.


Bahnübergang Pfaffnauerstrasse

Die SBB beabsichtigten, bei dieser Gelegenheit den Niveau-Übergang bei Mehlsecken durch eine Überführung zu ersetzen. Die Gemeinderäte des Wiggertals, insbesondere jener von Langnau wehrten sich jedoch seit 1906 energisch und erfolgreich gegen diese «unnatürliche Verunstaltung», die «unser schönes Thal so zu sagen ganz verunstaltet & auf den öffentlichen Verkehr (gemeint war der private Fuhr-Verkehr) hemmend wirkt». Es blieb bis 1985 beim Niveau-Übergang. 1924 wurde die Linie Basel-Olten- Luzern elektrifiziert. Damit fand die Zeit der Dampflokomotiven auch auf dieser wichtigen Strecke ihr Ende. Dies bedeutete für die Bahn eine beträchtliche Leistungssteigerung. Der 1982 eingeführte Stundentakt stellte für die Reisenden eine weitere Verbesserung des Angebots dar.

Bau der Unterführung Pfaffnauerstrasse 1987

 

Eröffnung

Datum

Strecke

Bahngesellschaft

09.06.1856

Olten – Emmenbrücke

Schweizerische Centralbahn

 

Mehrspurausbau

Datum

Strecke

Anz. Gleise

Bahngesellschaft

01.10.1908

Reiden – Nebikon

Doppelspur

Schweizerische Centralbahn

01.12.1909

Zofingen – Reiden

Doppelspur

SBB

 

Elektrifikation

Datum

Strecke

Spannung

Bahngesellschaft

23.02.1924

Olten – Luzern

15 kV AC 162/3 Hz

SBB