Pfarrkirche St. Johannes der Täufer

Die erste Kirche soll auf dem Ebnet gewesen, noch bevor die Herren von Büttikon den Twing Ebnet besassen.

Die Pfarrei Reiden, welche älter sein dürfte als die Johanniterkommende, wird 1271 erstmals genannt. Ihre Kirche hiess, im Gegensatz zum Gotteshaus der Kommende, die «untere Kirche». Ihr Patronatsrecht lag aber – seit unbekannter Zeit – bei der «obern Kirche», von welcher das Jahrzeitbuch 1600 schreibt: «Die ober Kilchen vff dem Berg ist die recht Hauptkilchen vnd Pfaar, da man alle Sacrament empfacht.» An beiden Orten wurden neun Wochenmessen gefeiert, sechs Messen in der untern Kirche hatten die Herren von Büttikon gestiftet. Für 1497 ist eine Bartholomäus Bruderschaft erwähnt.
Der Visitationsbericht von 1638 verzeichnet drei Altäre, nämlich den Hochaltar mit den Patronen Dreifaltigkeit, Elisabeth, Pankratius und Johannes Bapt, den linken Nebenaltar zu St. Maria, Fabian und Sebastian, den rechten Nebenaltar zu St. Bartholomäus und Ursula.
Im Jahre 1644 wurde die Kirche neu- oder völlig umgebaut. Zwei neue Glocken stifteten Heinrich Widmer und Untervogt Alexander Elmiger. 1645 wurde der Turmhelm vollendet, 1649 weihte man drei neue Glocken. Um 1751 fand eine Renovation im Sinne des Rokokos statt. Der Raum wurde ausstuckiert.

1793-96 wurde die baufällige St. Bartholomäus Kirche durch die heutige Pfarrkirche ersetzt. Die Leitung wurde dem Baumeister Niklaus Purtschert aus Pfaffnau übertragen. 6. September 1796 wurde die dem Kirchenpatron Johannes dem Täufer geweihte Kirche, Pfarrkirche von Reiden. Über den Bau orientiert die zeitgeschichtlich interessante Chronik des einheimischen Bauleiters und Bildhauers NIKLAUS HÄFLIGER (1767-1837). Nördlich der Kirche stand die Beinhauskapelle St. Anna, welche 1661 erbaut wurde und nach der Fertigstellung der neuen Kirche 1794 abgebrochen wurde.

Am 8. Januar 1798 wurde in der neuen Kirche die Musterung des Bataillons Reiden gehalten, die letzte unter dem Ancien Régime, das am 31. Januar abdankte. Am 12. Februar fand in der Kirche die erste Wahlversammlung für die Bestimmung der Wahlmänner der neuen Nationalversammlung statt.

Im Jahre 1813 ist die obere Kirche abgebrochen worden.

In den Nischen der Kirchenfront standen die Figuren Johannes der Täufer, Christus und Bartholomäus. Sie wurden 1957 durch Petrus, Maria und Bruder Klaus ersetzt.

Glocken

Die alten Glocken vor dem Wolle Hunkeler. Niklaus Häfliger berichtet, dass im Oktober 1795 die Glocken in den neuen Kirchturm gehängt wurden. Diese stammten aus den Jahren 1480, 1642, 1649 und 1692. Dazu kamen zwei aus der oberen Kirche aus dem Jahre 1649 und 1684. Die Commenderie entbindet sich des Sturmläutens und zahlt dem Sigristen für das Morgen-, Bet- und nachmittägige Vesperläuten 6 Gulden.

Das heutige Geläut im Kirchturm ist ein B-Geläute und wurde im Jahre 1921 unter Pfarrer Joseph Wey angeschafft. Die Firma Rüetschi in Aarau hat die Glocken gegossen und diese kamen auf Fr. 37955.-- zu stehen.

Die B-Glocke hat ein Gewicht von 3450 kg und trägt den lateinischen Spruch: 0 Rex Gloriae veni nobis cum pace. – O König der Gloriae, komm zu uns mit Frieden.

Die Des-Glocke wiegt 2000 kg und trägt den Spruch: Ave Maria gratia plena – Gegrüsst seist du Maria, voll der Gnade.

Die Es-Glocke ist zu Ehren des Kirchenpatrons geweiht. Sie wiegt 1500 kg und trägt die Inschrift: Sancte Joannes gloriose Patrone ora pro nobis – Hl. Johannes, glorreicher Patron, bitte für uns.

Die Ges-Glocke ist die Schutzengel-Glocke, wiegt 900 kg. Auf ihr lesen wir den Spruch: Omnes angeli Die benedicite Dominum – Alle Engel des Herrn lobet Gott!

Die heute als Taufglocke bezeichnet und verwendete Glocke blieb als einzige vom Vorgängergeläute 1921 übrig. Sie stammt von 1458 und trägt folgende lateinische Inschrift: O Rex gloriae Christe, veni nobis cum Pace MCCCCLVIII. O König der Glorie, Christus, komm zu uns in Frieden 1458.

Turmuhr

Im April 1802 trug Peter Lang aus Hitzkirch der Pfarrgemeinde Reiden eine Uhr an, die er eigentlich für die Kirche in Altdorf gemacht hatte, aber nicht liefern musste. Da der Komtur zu nichts mehr angehalten werden konnte, wurde ein Akkord getroffen für 1200 GL.
Wie lange die Turmuhr ihren Dienst getan, ist aus den Protokollen nicht ersichtlich. Auf jeden Fall folgte später ein Werk der Firma Ungerer aus Strassbourg.
Der grosse Zeiger, 1,85 m lang, und der kleine (Stundenzeiger) 1,35 m.

Chororgel

1796
D. 14t Merz kam ich Niklaus Häfliger Bildhauer, von ungefert, in dass Frauen Kloster Maria Gnadenthal, geschauente die dortige Alte Orgel, welche aber ganz abgebrochen wahre und Kaufte selbe auf Guetheisen der Kirchen Ausgeschossenen für 216 Gulden.
D. 22ten Merzen wahre ich mit dem Ehrengeachten Kirchmeyer Johannes Bücher Von Langnau, widerum in dass Frauen-Kloster-Gnadenthal gereisset, allwo Er der getrofnen kauf anerkant und Guetgeheissen.
D. 7ten April Holten wir selbe ab mit Zwey Zügen, und Hr. Joseph Bergentzly Orgelmacher von Ammerschwyl aus dem Elsass, samt einem Tischmacher-Gesell, und ich Arbeittente von da daran Umselb widerum gehörig einzurichten, und alles mangelbahre auszubesseren, und setzen noch ein Pedal m zu, und stelten sie auf die Miettelere Sakristey in den Lägner bis den 14ten May als am Abent vor Hl: Pfingsten, an welchem Tag sie in der Vesper und Morgens darauf als am Hochen Pfingst Heiligertag zum Ersten mahl in der Neüenkirchen Zum Lob Gottes Angestimbt, und geschlagen worden in der Alten Kirchen ist keine gewessen. (Aufzeichnung Niklaus Häfliger)
In Reiden eingebaut, versah sie ihren Dienst bis um die Mitte des letzten Jahrhunderts, zerfiel aber dann sehr rasch. Man sah von einer Restaurierung ab und baute 1864 eine grosse Orgel auf der Westempore.
Im Jahre 1967 besann man sich wieder auf das alte Orgelwerk, nachdem es durch ein Schreiben des Kant. Denkmalpflegers in das Orgelverzeichnis der Denkmalpflege aufgenommen worden war. Ein Kostenvoranschlag von Fr. 70 000.-- lag vor. Der Firma Kühn in Männedorf wurde die Wiederherstellung des Werkes übertragen. Es war eine heikle Aufgabe, denn ein grosser Teil des Holzes war durch den langen Dornröschenschlaf total vom Wurm zerfressen.
26. September 1971: Weihe der durch die Firma Kuhn restaurierten Bergöntzle-Chororgel. Sie war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Gebrauch gewesen. Dann, unbenützt, verschwanden die inneren Metallpfeifen und das Gebläse. Die Restaurierung wurde von Jakob Kobelt (Mitlödi) betreut.

Orgel auf der Westempore

1866: Der Orgelbauer Lütolf (Escholzmatt) baute eine neue grosse Orgel mit 22 Registern auf der Westempore. Die Chororgel wurde aber nicht abgetragen
1875: Friedrich Goll reparierte die grosse Orgel.
1926: Bau einer neuen grossen Orgel von der Firma Kuhn (Männedorf) mit 35 Registern.
1968: Unter Beibehaltung des Prospekts von 1866 baute die Firma Graf (Sursee) eine neue Orgel mit 3 Manualen und 38 Registern.

Im Jahr 1936 wurden die alten Fenster durch neue Farbfenster ersetzt.

Pfarrkirche vor 1957 in der Kirchenfront standen die Figuren Johannes der Täufer, Christus und Bartholomäus. Sie wurden 1957 durch Petrus, Maria und Bruder Klaus ersetzt.

Gekrönte Muttergottes aus dem Jahre 1650 in der Pfarrkirche Reiden.Gekrönte Muttergottes aus dem Jahre 1650 in der Pfarrkirche Reiden.